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Beschwerde gegen die FIFA zu Klima-Greenwashing der WM

Die Kritik an der Fussball-WM in Katar nimmt zu. Auch die Schweiz (auf dem Bild mit Granit Xhaka) nimmt daran teil.
Die Kritik an der Fussball-WM in Katar nimmt zu. Auch die Schweiz (auf dem Bild mit Granit Xhaka) nimmt daran teil. Bild: KEYSTONE/AP/David Cliff
Gegen die laut eigenen Angaben irreführende Werbung der FIFA (mit Sitz in Zürich) zur Klimaneutralität der Fussballweltmeisterschaft Katar hat die Klima-Allianz Schweiz bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission Beschwerde eingereicht. Ähnliche Beschwerden gegen das Greenwashing der FIFA wurden zeitgleich in Grossbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden deponiert.

Wenige Wochen vor dem heftig kritisierten – wie es die FIFA auf ihrer Website schreibt – «vollständig klimaneutralen FIFA-Turnier» in Katar machen Athleten und Sportverbände auf die aus ihrer Sicht irreführende Werbung der FIFA zu Klimaneutralität aufmerksam. Nun reichen Anwälte und Klimaschützer international eine Reihe von Beschwerden gegen diese Werbung ein. Die Beschwerden kommen inmitten der Kontroverse über Menschenrechtsverletzungen und der Kritik, dass die zu verwendenden CO2-Kompensationen von schlechter Qualität sind.

Die in der Schweiz, im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Belgien und den Niederlanden eingereichten Beschwerden stützen sich auf Berichte, wonach die Behauptungen der FIFA auf einer fragwürdigen Emissionsbuchhaltung und auf Kompensationsprogrammen von zweifelhafter Qualität beruhen. Diese Behauptungen führen die Sportler, die Fussballfans und die rund fünf Milliarden Menschen, welche das Turnier voraussichtlich im Fernsehen verfolgen werden, in die Irre.

Aus Sicht von Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz, ist die von den Avocat.e.s pour le climat erstellte und heute in der Schweiz, dem FIFA-Hauptsitz, eingereichte Beschwerde von besonderer Bedeutung. «Die sich zuspitzenden Zwillingskrise von Klimaerhitzung und Biodiversitätsverlust macht es notwendiger denn je, dass globale Grossanlässe wie eine Fussball-WM ihre Bestrebungen bezüglich Klimaschutz auch glaubwürdig umsetzen. Die FIFA und Qatar als Gastgeberland tun dies leider nicht. Klimatisierte Stadien und Shuttle-Flugzeuge sind ein Umweltskandal, welcher kein noch so gutes Greenwashing rechtfertigen kann», wird er in der Mitteilung zitiert.

Die Schweizerische Lauterkeitskommission hat klare Grundsätze zu Umweltaussagen in der kommerziellen Kommunikation. Die Vermarktung einer vermeintlich klimaneutralen Fussball-WM durch die FIFA steht in direktem Widerspruch zu diesen Grundsätzen, insbesondere in Bezug auf Klarheit und Wahrheitsgehalt, so die Kritiker. Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima-Allianz Schweiz, sagt: «Wir sind zuversichtlich, dass die Kommission diese Verstösse gegen lautere Werbung ebenfalls verurteilt und damit ein deutliches Signal an die FIFA senden wird.»

Neben den Beschwerden wurde auch ein offener Brief von internationalen Fussball-Profis wie Union Berlin Spieler Morten Thorsby oder Elin Landström von der AS Roma sowie von Sportorganisationen aus aller Welt an die FIFA gerichtet. In dem Brief heisst es: «Der Klimawandel ist der Gegner, den wir bekämpfen müssen - und wir sind schon tief in der Verlängerung. Ganz gleich, welches Trikot wir tragen oder welche Hymne wir singen, wir können nur gewinnen, wenn wir Massnahmen ergreifen. [...] Anstatt diese grosse Gelegenheit zu nutzen, hat sich die FIFA darauf eingerichtet, ihre beste Chance auf ein Tor zu verpassen.»

pd.