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Zürich 2
08.11.2022
08.11.2022 07:07 Uhr

Quartierzentrum versus Velovorzugsroute

Rolf Hess möchte diesen Bereich der Mutschellenstrasse in eine Fussgängerzone umwandeln. So soll ein Zentrum für Wollishofen entstehen.
Rolf Hess möchte diesen Bereich der Mutschellenstrasse in eine Fussgängerzone umwandeln. So soll ein Zentrum für Wollishofen entstehen. Bild: Pia Meier
Wollishofen braucht ein richtiges Zentrum. Die Mutschellenstrasse im Morgental könnte eines werden, schlägt ein Quartierbewohner vor. Doch die Stadt will die Tannenrauchstrasse auf Kosten der Mutschellenstrasse beruhigen, mit einer Velovorzugsroute.

Pia Meier

Ein richtiges Zentrum Wollishofen ist schon lange eine Vision einiger Wollis­hofer. «Ich wünschte mir in Wollishofen ­einen Dorfplatz», hält zum Beispiel Rolf Hess fest, der seit 40 Jahren hier wohnt. Er engagiert sich seit längerer Zeit im Quartier. So hat er sich zum Beispiel aktiv für die Aktion «Brings uf d Strass» eingesetzt. «Ich verfolge schon seit einiger Zeit ein Projekt, damit Wollishofen endlich ein richtiges Quartierzentrum erhält, das den Namen verdient.» Konkret will er die Mutschellenstrasse in eine Fussgängerzone umwandeln, beginnend ab der Etzel­strasse bis Höhe Mööslistrasse. Der motorisierte Individualverkehr soll dann neu über die Tannenrauchstrasse geleitet werden. So würde im Morgental das gewünschte Zentrum entstehen.

Seine Idee hat er Stadträtin Simone Brander (SP) erzählt. Zudem berichtete er an der Vernetzungsveranstaltung des Quartiervereins Wollishofen darüber. Dort wurde ihm dann aber gesagt, dass auf der Tannenrauchstrasse die neue Velo­vorzugsroute geplant sei, weshalb diese Strasse teilweise abgesperrt werden soll, und zwar ab Morgentalstrasse bis ­Albisstrasse. Und dass der Verkehr dann über die Mutschellenstrasse geleitet ­werden soll.

Güterabwägung gewünscht

Stadträtin Brander teilte Hess ebenfalls mit einem Brief mit, dass auf der Achse Tannenrauchstrasse derzeit ein Projekt zur Umsetzung der im Richtplan festgesetzten Velovorzugsroute läuft, das auf die Volksinitiative «Sichere Velorouten für Zürich» zurückgeht. In diesem Zusammenhang werde das Verkehrsregime und die Strassenraumgestaltung auf der gesamten Tannenrauchstrasse verkehrs­beruhigend umgestaltet. «Eine Verkehrsverlagerung auf die Tannenrauchstrasse, die mit einer Fussgängerzone im Zen­trum Morgental einhergehen würde, widerspricht diesem Ziel und wird daher aus planerischer Sicht als nicht sinnvoll beurteilt», hält sie fest

Beide Vorhaben – eine Fussgängerzone an der Mutschellenstrasse und die Velovorzugsroute – würden zu einer gleich massiven Umlagerung des Verkehrsflusses führen mit dem Effekt, dass entweder lediglich ein Velokorridor entsteht oder aber ein Quartierplatz, wo auch Anlässe wie ein Wollishofer Märt stattfinden können. Das erstere Vorhaben sei aber kurz vor der Beschlussfassung. Und wenn dieses bewilligt werde, könne man das Quartierzentrumsprojekt vergessen, bedauert Hess. «Dies darf aus meiner Sicht so nicht passieren und muss im Sinne einer Art Güterabwägung angeschaut werden.»

Velovorzugsroute bereits im Sommer 2023?

Von der Stadtgrenze bis zur Mutschellenstrasse soll auf 2,2 Kilometern eine Velovorzugsroute entstehen. Falls keine Rechtsmittel gegen die öffentliche Planauflage und die Verkehrsanordnungen ergriffen werden, soll gemäss Stadt mit der Umsetzung dieser Velovorzugsroute im Sommer 2023 begonnen werden.

Ein Quartierzentrum sei von öffentlichem Interesse. Das Quartierzentrum Morgental, in dem der von Hess vorgeschlagene Teilabschnitt liegt, sei kürzlich umgestaltet worden, so Brander in ihrem Brief an Hess weiter. Die Aufwertung des Zentrums, das sich von der Haltestelle Morgental bis in die Mutschellenstrasse erstreckt, sei im Sommer 2021 abgeschlossen worden. «Die neue Gestaltung steigert die Aufenthaltsqualität, schafft eine beruhigte Zone und erhöht die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden», fasst Brander zusammen. «Die Einführung einer Fussgängerzone würde hingegen eine erneute Umgestaltung dieses neu gebauten Teilstücks erfordern.»

Quartierverein: Der richtige Ort

Quartiervereinspräsident Martin Bürki sieht die Vision von Hess als interessante Idee, die die Stadt prüfen sollte. Der Ort bei der Post und der Migros Wollishofen sei der richtige für ein Zentrum. Vielleicht aber komme diese Idee zu spät, moniert er. Denn die Velovorzugsroute sei bereits in der Pipeline.

Infoanlass geplant

Das Ende seiner Vision? Die Quartierbewohnenden sollen nun entscheiden können, ob sie eine Velovorzugsroute für wenige oder ein Zentrum für alle wollen, meint Hess. Das Projekt soll seiner Meinung nach nochmals angeschaut werden. Eine Begegnungszone sei wertvoller als eine Velovorzugsroute. Das Bedürfnis für ein Quartierzentrum sei ausgewiesen. Hess möchte das Ganze zur Diskussion stellen. Vielleicht sei auch ein Kompromiss möglich. Der Quartierverein Wollishofen plant 2023 eine öffentliche Information über die geplante Velovorzugsroute.

Pia Meier