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Aus dem Gemeinderat
09.11.2022
09.11.2022 11:54 Uhr

Wie einfach soll beziehungsweise komplex darf Politik sein?

Selina Frey, Gemeinderätin GLP, Wahlkreis 10
Selina Frey, Gemeinderätin GLP, Wahlkreis 10 Bild: zvg
Ich habe mich kürzlich an einem Anlass im Quartier in einer netten Runde mit Nichtpolitikerinnen und Nichtpolitikern ausgetauscht. Ich habe von Extrempositionen im Rat und ein klein wenig Polemik berichtet und sie haben mir von der Herausforderung erzählt, ohne viel Rechercheaufwand z. B. bei Abstimmungen abzuschätzen, ­welche Informationen «wahr» sind.

In der Tat, in Zeiten der generellen Informationsüberflutung findet man zwischen beruflichen und familiären Verpflichtungen nur beschränkt Zeitinseln. Bedeutet das jetzt, man muss auf das altbekannte «Böxli-Denken» zurückgreifen? Plakativ gesagt: Entweder man ist fürs Geldausgeben für soziale Zwecke oder fürs Geldsparen für einen nachhaltigen Staatshaushalt. Ist Gendern gut oder böse? Bedeutet die Moderne eine Reduktion auf ein Links-/Rechts-Schema?

Ich sage klar Nein. Als Politikwissenschafterin habe ich früh gelernt, ein Problem aus unterschiedlichsten Aspekten und Disziplinen zu betrachten. Da ging es um öffentliches Recht, (Volks-)Wirtschaft und Soziologie. Auch später im Beruf, mal bei den Medien, mal in der Beratung, im öffentlichen Sektor und bis heute im Bereich der digitalen Transformation in der Finanzindustrie, ist mir diese mehrschichtige Herangehensweise immer entgegengekommen. Im Kern aller Tätigkeiten stand immer, Komplexität herunterzubrechen und den Menschen ins Zentrum zu stellen. Genauso wie in der Politik.

Wo verschiedene Menschen zusammenkommen, wird es komplex und das ist gut so. Denn es erlaubt uns, Lösungen zugeschnitten auf unterschiedliche Bedürfnisse zu entwickeln. Die Grünliberale Partei war und ist für mich die Partei, welche es nicht scheut, sich dieser Komplexität anzunehmen. Hier werden ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Anliegen in die Interessenabwägung miteinbezogen und kommuniziert. Das ist nicht immer einfach, speziell wenn die Gewichtung der drei Aspekte je nach Kontext nicht immer gleich ausfällt. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.

Nehmen wir zum Beispiel die Klimapolitik. Hier ist das Zusammenspiel verschiedenster Themen zentral. Wir werden in Zukunft vermehrt darauf achten müssen, gesellschaftliche Kosten gerecht miteinzupreisen. Ohne die Wirtschaft werden wir die Wende aber nicht schaffen und die hohen Kosten zwingen uns, wirtschaftlich zu denken. Im Zentrum muss aber immer der Mensch stehen. Gerade wenn es das Mitmachen aller braucht, müssen wir uns von zu starker Polarisierung distanzieren.

Ich möchte Ihr Ohr gewinnen für diese themenbezogene, differenzierte Politik. Bleiben Sie politikinteressiert!

In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» schreiben Volksvertreterinnen und -vertreter regelmässig einen Beitrag. Alle im Stadtparlament vertretenen Parteien bekommen hierzu regelmässig Gelegenheit. Die Schreibenden ­äussern im Beitrag ihre persönliche Meinung.

Selina Frey