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Züriberg
11.11.2022
11.11.2022 15:30 Uhr

Sturm im Wasserglas an der Forchstrasse?

Dominique Zygmont und Cathrine Pauli an der Forchstrasse, wo eine Sanierung geplant ist, und eine Schliessung der Gewerbebetriebe droht.
Dominique Zygmont und Cathrine Pauli an der Forchstrasse, wo eine Sanierung geplant ist, und eine Schliessung der Gewerbebetriebe droht. Bild: Rahel Köppel
Mit einer Medienmitteilung kündigte die Stadt an, einige Liegenschaften im Quartier Hirslanden komplett zu sanieren. Die darin eingemieteten Gewerbe­betriebe müssten dafür für zwei Jahre geschlossen werden. Dominique Zygmont und Cathrine Pauli wehren sich mit einem Vorstoss dagegen.

Monika Abdel Meseh und Rahel Köppel

Mitte Juli kündigte die Stadt in einer Medienmitteilung an, die Liegenschaften an der Forchstrasse 193, der Freiestrasse 217 und 221 sowie an der Gattikerstrasse komplett zu sanieren. Das wird dann in einer zweijährigen Schliessung der eingemieteten Gewerbebetriebe resultieren. Dominique Zygmont, eben zurückgetretener Gemeinderat, und Cathrine Pauli, Gemeinderätin der FDP, finden das nicht in Ordnung und gingen mit einem Vorstoss in den Gemeinderat. «Dass man nur mit einer Medienmitteilung über einen solchen Einschnitt informiert wird, geht für uns nicht», so Dominique Zygmont. Die beiden fordern, dass die Schliessungsdauer der Gewerbebetriebe so kurz wie möglich ist. «Das liesse sich beispielsweise mit ­einer sinnvollen Etappierung lösen», schlägt Pauli vor.

«Besser, früh zu planen»

Die Sanierung ist 2024 oder 2025 geplant. Die zwei Politiker sind mit ihrer Kritik also relativ früh dran. «So kann noch besser geplant und können besser Lösungen gefunden werden», sagt Dominique Zygmont. «Besser jetzt als dann, wenn schon die ganze Planung steht und es zu spät ist.»

Zygmont und Pauli ist es ein Anliegen, dass die eingemieteten Gewerbebetriebe während der Sanierungsarbeiten an ihrem Standort bleiben dürfen. «Viele der Gewerbler sind noch nicht lange hier und müssen sich die Stammkundschaft erst aufbauen. Ausserdem kann nicht jeder nach einer zweijährigen Pause wieder mit viel Kundschaft rechnen», sagen die beiden. Auch sei es eine grosse Schwierigkeit, ein Provisorium an einem geeigneten Standort zu finden.

Betroffene Gewerbebetriebe sind unter anderem eine Apotheke, Sina’s Backstube, das Restaurant Wilder Mann und die Buchhandlung Hirslanden, alles Nutzungen eines Quartierzentrums. «Leider ist das Gebiet nicht als Quartierzentrum im Richtplan hinterlegt, im Gegensatz zum Hegibachplatz oder zum Balgrist. Dort würde man in einem solchen Fall sehr wahrscheinlich nicht so vorgehen», empört sich Cathrine Pauli. Wenn all diese Gewerbebetriebe für zwei Jahre schliessen müssten, hätten die Leute hier nicht mehr das Privileg von einer nahe gelegenen Apotheke oder Bäckerei. 

Auch eine gewisse emotionale Bindung haben die beiden zu diesem Thema. Dominique Zygmont wohnte eine lange Zeit an diesem Ort. «Ausserdem halten wir oft Sitzungen im ‹Wilden Mann› und fühlen uns immer sehr wohl dort», sagen sie. Da Zygmont zurückgetreten ist, kümmert sich nun Pauli um das Anliegen. Bei ihrem Vorstoss haben sie Unterstützung der Grünen. Jedoch hat die Stadt bereits zur Ablehnung aufgerufen. Gut drei Monate ist der Vorstoss jetzt schon auf der Gemeinderats-Traktandenliste.

Mieter zeigen sich sorglos

Nach einer Umfrage bei den betroffenen Gewerben stellte sich schnell heraus, dass die meisten Mieter das Engagement und die Sorge der Politiker um die Liegenschaften nicht so recht teilen, wie diese annahmen. «Diese Medienmitteilung zur bevorstehenden Sanierung kommt alle zwei Jahre, also kann man das nicht mehr so ernst nehmen», schmunzelt ein Pharmazeut aus der Hirslanden Apotheke an der Forchstrasse. Die erste Mitteilung kam laut dem Herrn, der nicht namentlich erwähnt werden will, schon im Jahr 2019. Zwei Jahre später wurde die Anlage von aussen saniert beziehungsweise einfach neu bestrichen. «Sollte es aber tatsächlich demnächst zu einer längeren Renovierung kommen, ist es schon wichtig, die Zugänglichkeit zur Apotheke zu gewährleisten», ergänzt der ältere Mann aber letztendlich.

Auch in Sina’s Backstube herrscht eine ähnliche Denkweise. Die Inhaberin und die beim Umfragezeitpunkt anwesende Verkäuferin geben zu, sich da keine grossen Sorgen zu machen. «Wenn wir schliessen müssen, dann ist es halt so», erklärt die Chefin gelassen. Einen Plan B haben sich die Damen der Backstube auch noch nicht genau überlegt. «Wir müssen da spontan handeln», sagt die Verkäuferin lächelnd. Das grösste Problem sei laut der Inhaberin die Unkenntnis. «Wir wissen nicht, ob es wirklich dazu kommt oder ob wir dann überhaupt noch mal hierher zurückkönnen. Das erschwert die Zukunftsplanung für uns einfach.»

Buchhändler will angemessenes Provisorium

Etwas anderer Meinung ist Walter Reimann von der Buchhandlung Hirslanden an der Freiestrasse. Für ihn ist es zwar ebenfalls keine Neuigkeit mehr, doch er zeigt grosses Verständnis für die Renovierungspläne, wenn auch mit gewissen Forderungen. «Ich verstehe vollkommen, dass nach 100 Jahren hier mal saniert werden muss», erklärt der Inhaber der Buchhandlung, «doch ich hoffe, dass die Sanierung so kurz wie möglich gehalten wird.» Je länger es andauert, desto mehr Bedenken hat er, nicht mehr zurück in die Liegenschaft zu können.

Walter Reimann wünscht sich zudem für die Zeit, in welcher sein Geschäft schliessen muss, ein angemessenes Provisorium von der Stadt. «Es kann von mir aus ein Zirkuswagen sein», scherzt der Mann, «aber es muss so nah wie nur möglich von unserem aktuellen Standort liegen». Der Buchhändler befürchtet nämlich weniger Kundschaft beziehungsweise Umsatz, je weiter weg der zwischenzeitliche Ort zu finden ist. Doch auch bei ihm herrscht grosse Unwissenheit. «Man weiss einfach nicht so recht, was vor sich geht. Es wird viel geredet, aber keiner hat genaue Informationen», beschwert sich der Inhaber.

Beim «Wilden Mann» zeigt sich der Küchenchef Yves Bernreiter fast schon unbekümmert. «Unsere Pacht endet im Jahr 2023, und wir werden sie auch nicht mehr verlängern, daher ist das nicht mehr unser Problem, hier bestehen zu bleiben», informiert der junge Herr. Das gut besuchte Restaurant befindet sich schon seit sieben Jahren an der Freiestrasse, doch die Entscheidung der Schliessung kam daher, dass ständig eine Unklarheit herrscht, da die Medienmitteilung alle paar Jahre wieder kommen würde. «Mit der Stadt weiss man einfach nie genau, wie es dann aussieht, also wie lange die Renovierung andauern würde und wie teuer die Miete dann wird», erklärt der Küchenchef nachdenklich.

Ein Abwasserproblem

Doch wie der Inhaber der Buchhandlung würde auch er eine gründliche ­Renovierung verstehen und sich sogar wünschen. «Es ist wirklich notwendig, bei dem alten Gebäude hier zu sanieren, ­besonders in der Küche hätten wir das ­gebraucht», stellt er fest. Sie würden sich dort nämlich schon seit längerem mit Abwasserproblemen herumplagen.

Es zeigt sich also deutlich, dass, obwohl alle Mieter sich derzeit noch ziemlich sorglos geben, eine grosse Unkenntnis zu herrschen scheint. Diese verursacht ihnen mehr Bedenken als die tatsächliche Renovierung, die von den meisten als notwendig erachtet wird.

Monika Abdel Meseh und Rahel Köppel