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12.11.2022

Der «Oerliker» Club mit vielen Siegen und wenig Fans

Victor Backman ist eine der Stützen der GCK Lions und bringt Toppleistungen vor fast leeren Rängen.
Victor Backman ist eine der Stützen der GCK Lions und bringt Toppleistungen vor fast leeren Rängen. Bild: Waldemar da Rin
Die GCK Lions spielen in der Meisterschaft der NLB gross auf. Doch von den Fans gewürdigt werden die tollen Auftritte in der kleinen Eishalle im Neudorf nicht. Gegen die Ticino Rockets verloren sich nur 75 Nasen in der Halle.

Die GCK Lions traten in den letzten zwei Wochen gleich sechsmal an. Viermal gab es einen Sieg (3:0 Thurgau, 4:2 Winterthur, 4:3 n. V. Sierre, 5:3 Ticino Rockets) und zwei Niederlagen (0:2 Olten, 2:5 Visp).
Mit dieser für ein Farmteam ausgezeichneten Bilanz konnten sich die GCK Lions, die ja in diesem Winter in der KEBO in Oerlikon beheimatet sind, auf dem dritten Tabellenplatz etablieren. Farmteam, das bedeutet Ausbildungsclub für einen grossen Bruder, in diesem Fall die ZSC ­Lions, die vor kurzem von Oerlikon nach Altstetten disloziert sind. Die GCK Lions wiederum haben Gastrecht in Oerlikon, weil die eigene Homebase in Küsnacht umgebaut und modernisiert wird. Frühestens im Januar 2023 ist der Zauber in Oerlikon vorbei. Nach dem Spitzeneishockey in der höchsten Liga ist es damit auch finito mit Spielen in der zweithöchsten Eishockeyliga, der Swiss League, ehemals Nationalliga B. Doch den Wegzug des ZSC scheinen die Fans verschmerzt zu haben.
In Altstetten ist die Hütte meist voll (12000 Fans), während in der KEBO, also der Eishalle neben dem Hallenstadion, gähnende Leere herrscht, wenn die GCK Lions spielen. Gegen die Ticino Rockets waren 75 Fans dabei, auch gegen den Spitzenclub Olten waren es mit 150 nicht besonders viele.

Knappes Spiel gegen Leader Olten
Dabei hielten die GCK Lions gegen den überlegenen Leader aus der Dreitannenstadt sehr gut mit, lagen nur 0:1 zurück und kassierten zuletzt noch einen Treffer ins leere Tor. Dann folgte aber, ebenfalls in Oerlikon, ein 3:0-Sieg gegen Thurgau. Somit musste man auch in der zweiten Begegnung gegen diesen Gegner kein Tor kassieren (auswärts 5:0). Captain Roman Schlagenhauf, Verteidiger Noah Meier und Mattia Hinterkircher hiessen die Torschützen.

Keine Blösse im Derby
In Winterthur gaben sie sich im Derby auch keine Blösse und siegten verdient mit 4:2. Junior Timotée Schaller, der Lette Rihards Melnalksnis (2) und Julian Mettler hiessen die Torschützen.
Wieder zwei Siege gab es in der vergangenen Woche vor der Nati-Pause. Gegen den Tabellennachbarn Sierre war zwar ein klares Torschussverhältnis von 36:17 für die GCK Lions registriert worden. Aber
der Gegner führte schon nach fast sechs Minuten mit 2:0. Doch noch im ersten Spiel­abschnitt konnten Junior Livio Truog und Timotée Schaller auf 2:2 ausgleichen. Elf Minuten vor Schluss gingen jedoch die Walliser wieder entgegen dem Spielverlauf 3:2 in Führung, ehe der Lette Rihards Melnalksnis ausgleichen konnte. Die Verlängerung dauerte nur 21 Sekunden, dann erzielte Verteidiger Yannick Blaser mit ­einem satten Schuss von der blauen Linie den verdienten Siegestreffer.

Visp war vor 2500 Fans besser
Die zweite Partie führte die Zürcher nach Visp. Vor fast 2500 Zuschauern führten die Walliser schon nach 31 Minuten mit 3:0. Dem Anschlusstreffer von Timothée Schaller folgte im Schlussabschnitt das 4:1 und sieben Minuten vor Schluss das 5:1. Der Anschlusstreffer von Verteidiger Yannick Blaser zum 5:2 kam zu spät. Dann gastierte am vergangenen Wochenende Schlusslicht Ticino Rockets in Oerlikon. Nach der 0:4-Niederlage bei der ersten Begegnung waren die GCK Lions wohl gewarnt. Sie dominierten gleich von Beginn an, aber die Tessiner konnten in jedem Drittel ­einen Treffer vorlegen, total entgegen dem Spielverlauf. Den Zürchern wollte einfach nichts gelingen. Doch kurz nach der zweiten Pause boten die beiden Ausländer Jarno Kärki und Victor Backman ihre grosse Show. Kärki traf zweimal und buchte zudem einen Assist. Der routinierte Schwede Backman erzielte ein Tor und zwei Assists. Der Älteste im Team, Captain Roman Schlagenhauf, trug seinen dritten Saisontreffer bei. So hiess es bis 14 Sekunden vor Schluss klar 5:2. Auch die Torschussstatistik von 43:18 drückte die klare Überlegenheit der Zürcher aus. Das 5:3 war nur noch Resultatkosmetik. Damit festigten die GCK Lions den dritten Platz in der Tabelle.
Diese sieht nur wie folgt aus: 1. Olten
20 Spiele/50 Punkte. 2. La Chaux-de-Fonds 20/42. 3. GCK Lions 20/34, 4. Sierre 19/31. 5. Langenthal 20/31. 6. Visp 20/30. 7. Thurgau 20/27. 8. Basel 19/23. 9. Winterthur 18/18. 10. Ticino Rockets 20/8.

Das nächste Heimspiel in der KEBO
Oerlikon findet am Dienstag, 22. November, um 19.45 Uhr statt. Gegner ist der EHC Basel, der mit seinem Headcoach Christian Weber anreisen wird. Weber spielte selber acht Saisons bei den ZSC Lions und war ­später zeitweise Trainer bei den ZSC Lions wie auch bei den GCK Lions. Es ist also eine Art Wiedersehen in der alten Heimat.

Liniger macht das Beste draus
Eine Frage bleibt. Warum würdigen die Fans das gute Abschneiden der GCK Lions nicht? Einerseits gelten die GCK Lions als «unaufsteigbar». Herausragende Spieler landen früher oder später beim ZSC, dem Stammverein. Oder sie suchen in der Fremde ihre Erfüllung, etwa bei Visp, ­Olten oder Langenthal. So muss Trainer Michael Liniger sein Team immer wieder neu sortieren. Andererseits haben die GCK Lions keinen Rückhalt bei der GC-­Familie, weil sie ja keine eigentliche Sektion des Grasshopper Club sind nach der Fusion mit dem ZSC – just vor 25 Jahren.

hr./ls.