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Zürich 2
22.11.2022

Königskinder spazierten in die Zirkuswelt

Die Kinder flogen nur so über die Bühne.
Die Kinder flogen nur so über die Bühne. Bild: Jeannette Gerber
Es ist die Zeit der vorweihnacht­lichen Theater. Im grossen Saal des Zentrums der katholischen Kirchgemeinde St. Franziskus führten Wollishofer und Leim­bacher Kinder das Musical und Singspiel «Zirkus Kokosnuss» auf.

Jeannette Gerber

Für Regie und Choreografie zeichnete Jugendarbeiter und Leiter der Musikprojekte, Gregory Arcement, verantwortlich. Es ist ein Theaterstück in Musicalform, erzählt als Rahmengeschichte der Zirkusnummern.

Gregory Arcement kommt aus New Orleans, hat Regie und Choreografie in San Diego studiert und lebt heute mit seiner Frau in Zürich. Seit zwei Jahren ist er für das Zentrum der katholischen Kirchgemeinde tätig und gibt unter anderem Gruppenunterricht in Singen, Tanzen und Schauspiel. Das Drehbuch und die Lieder habe der bekannte Wädenswiler Kinderliedermacher Andrew Bond geschrieben, erklärte Arcement. «Wer kennt nicht sein Lied ‹Zimetschtern hani gärn› zur Melodie des Weihnachtsliedes ‹Jingle Bell›?», fügte er hinzu.

Der Inhalt des Stücks: Prinzessin Emilia und Prinz Rupert leben wie die meisten Königskinder in einem goldenen Käfig. Auf einem gemeinsamen Spaziergang mit den Eltern im Park schleichen sie sich weg und schliessen sich dem Zirkus an. Um nicht gefunden zu werden, täuschen sie eine Entführung vor und hinterlassen einen Brief mit der Erklärung, sie seien von einem Holzkopf mit drei Augen und stacheligem Bart entführt worden, aber es gehe ihnen gut. Doch am Hof herrscht grosse Aufregung. Ihre Majestäten sind völlig aus dem Häuschen und lassen sich von allen möglichen, mehr oder weniger kompetenten Untertanen beraten. Aber niemand weiss Rat.

Ein Happy End ist Pflicht

Inzwischen amüsieren sich die Kinder im Zirkus und dürfen dort auch mitmachen, genauso wie sie es sich gewünscht hatten. Selbstverständlich finden Eltern und Kinder wieder zusammen und die Lösung des Rätsels betreffend den Entführer wird gefunden. Es war die Kokosnuss – der Name des Zirkus. Ein Happy End ist Pflicht – in vorweihnachtlichen Theatern genauso wie in Märchen.

Wer hat als Kind nicht davon geträumt, im Zirkus ein Schlangenmensch zu sein, einen Löwen zu dressieren oder am Trapez Kunststücke vorzuführen? Es war herzerwärmend, die Kinder zu beobachten, wie sie vor der Aufführung durch den Vorhang zum Publikum herauslugten. Das Lampenfieber war ihnen ins ­Gesicht geschrieben. Nun hatten sie ­Gelegenheit, als Tänzer, Sänger und als Schauspieler mitzumachen.

Und sie haben es grandios gemeistert, sie flogen nur so über die Bühne, sangen im Chor oder solo wie Profis. Sie tanzten wild und lustvoll und bezauberten Jung und Alt, Eltern, Grosseltern und Geschwister. Es spielten und sangen 22 Kids vom Kindergartenalter bis zur vierten Klasse. Hauptsächlich Mädchen, nur drei Knaben, was irgendwie verständlich ist: Die Buben huldigen eher dem König Fussball. So kam es zum Rollentausch wie zu Shakespeares Zeiten – nur umgekehrt. Der König, eine der Hauptrollen, zum Beispiel wurde von einem Mädchen gespielt.

Regisseur fieberte mit

Absolut herrlich war es, Gregory Arcement während der Aufführung zu beobachten. Wenn er nicht am Mischpult sass, verfolgte er aus der vordersten Reihe jede Bewegung auf der Bühne. Nicht nur mit den Augen, nein, er machte den tanzenden Kids, wild mit den Armen gestikulierend, die Bewegungen vor. Zwischendurch musste er auch noch den Souffleur spielen, denn ab und zu fehlte jemandem die Worte. Es war spürbar, wie sehr er mitfieberte. Es ist schliesslich sein Werk, das Resultat seines Engagements. «Daran habe ich zusammen mit den Kids mehr als ein Jahr gearbeitet», so Arcement.

Jeannette Gerber