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Stadt Zürich
05.07.2022
07.07.2022 12:38 Uhr

Hallenbad Oerlikon: Umbau zur Sporthalle statt Abriss?

«Muss immer alles abgebrochen werden?», fragt Anwohner Hans Weissberg (r.) Stadtrat André Odermatt. Er verlangt eine Neuplanung, bestreitet aber immerhin den Bau eines neuen Hallenbads auf der Nordseite des Areals nicht.
«Muss immer alles abgebrochen werden?», fragt Anwohner Hans Weissberg (r.) Stadtrat André Odermatt. Er verlangt eine Neuplanung, bestreitet aber immerhin den Bau eines neuen Hallenbads auf der Nordseite des Areals nicht. Bild: Pia Meier
Das Sportamt der Stadt Zürich informierte auf Wunsch der Quartiervereine und kritischer Leute aus Zürich Nord über die Pläne rund um das neue Sportzentrum Oerlikon. Ist der Totalabriss eines Gebäudes von 1980 ökologisch noch vertretbar?

Schwamendingen und Seebach luden das Sportamt der Stadt Zürich zu einer Dialogveranstaltung ein. Ein Grund waren die enormen CO2-Emissionen bei Abbrüchen und Neubauten am Beispiel des Hallenbades Oerlikon. Ein weiteres Thema waren die wegen fehlender Infrastruktur zu geringen Trainingsmöglichkeiten vieler Sportvereine in Zürich Nord.

Mehr Menschen, mehr Infrastruktur

Bei einem Punkt sind sich alle einig: Aufgrund des erwartetem Bevölkerungswachstums in Zürich Nord braucht es auch mehr Sportinfrastruktur. Der kommunale Richtplan sieht Ausscheidungen für Sport von Flächen in der ganzen Stadt in der Grösse von 40 Hektaren vor. Ziele der Sportstrategie 2030 des städtischen Sportamts sind eine effiziente Nutzung des Bodens und bedürfnisgerechte Sportanlagen.
Das aktuelle Angebot an Hallen genügt gemäss Auskunft von Sportvereinen nicht, wie auch ein anwesender Vertreter des Turnvereins Konkordia Oerlikon vor Ort bestätigte. Sie müssten ihre Trainingsstunden auf den späten Abend legen oder an andere Orte ausweichen. Die Sportstrategie 2030 sieht gemäss den Ausführungen der Vertreter des Sportamtes vor, dass das Angebot an Hallen in den nächsten Jahren stark ausgebaut wird, getrieben durch mehr Schulhäuser, aber auch volksschulunabhängig.

Keine zusätzlichen Freibäder

Mehr Freibäder braucht es gemäss Sportamt trotz hohen Frequenzen nicht, aber mehr Hallenbäder, allerdings nicht in ­Zürich Nord. Das neue Sportzentrum Oerlikon biete mehr Kapazität, weshalb es trotz wachsender Bevölkerung genüge, wie das Sportamt festhielt.
Fussballfelder sind gemäss den an­wesenden privaten Vertretern nicht geschätzt von der Bevölkerung. Gründe sind Verkehr, Flutlicht, Klima und andere. Sie brauchen viel Platz und wo hat es diesen Platz? Auch beim geplanten Sportzentrum Oerlikon sorgen sie für Diskussionen.

Mehr Ökologie gefordert

Hans Weissberg, Anwohner des geplanten Sportzentrums Oerlikon, konnte sich zu diesem Thema äussern. Seiner Meinung nach braucht es mehr Biodiversität und mehr Bäume und weniger Fussballfelder. Zudem fragte er, ob immer alles abgebrochen werden müsse. Könnte das bestehende Hallenbad nicht als Sporthalle saniert werden? Weissberg erläuterte, dass mit dem Bau von drei Kunstrasenfeldern auf dem Nordareal der Sportanlage Neudorf und der Optimierung der Nutzung der insgesamt fünf Fussballfelder der Bedarf an Trainings- und Spielmöglichkeiten im Sportzen­trum Oerlikon bestens gedeckt werden könne. Und es bestünde überdies eine grosse Reserve für die kommenden Jahre. «Weiterer Fussballfelder auf dem Südareal bringen keinen zusätzlichen Nutzen, sondern belasten nur die Umwelt übermässig», so Weissberg.

Neue Hitzeinsel im Wohnquartier

Das Projekt Sportzen­trum Oerlikon Südareal widerspreche denn auch sämtlichen ökologischen Vorgaben der Stadt Zürich. Obwohl kein Bedarf an zusätzlichen Fussballfeldern bestehe, sollen ein gerade mal 40-jähriges, grosses Gebäude (Hallenbad) abgerissen, eine Naturlandschaft eingeebnet und an deren Stelle zwei Fussballfelder erstellt werden. Davon ein Kunstrasenplatz mitten in einem Wohnquartier. Weder das Quartier noch die Fussballerinnen und Fussballer könnten aus diesem Projekt einen Nutzen ziehen, und es würde überdies eine neue Hitzeinsel inmitten von Wohnhäusern geschaffen.

Kosten wären überschaubar

«Ein in jeder Hinsicht wenig durchdachtes Projekt», betonte Weissberg. Das bestehende Hallenbad könnte gemäss Weissberg in eine Sporthalle umfunktioniert werden. Die Kosten für den Betrieb einer Sporthalle wären überschaubar. Ob die Kosten für die Umnutzung beziehungsweise Sanierung höher wären als der Abriss des Gebäudes und die Einebnung der Umgebung sowie der Neubau der Garderobe, wäre abzuklären. In jedem Fall würde aber mit der Umnutzung des Hallenbads ein Mehrwert geschaffen, ganz im Gegenteil zum Abriss. Weissberg verlangte deshalb, dass die Planung des südlichen Teils des geplanten neuen Sportzentrums Oerlikon neu aufgegleist wird. Dies wird gemäss Stadtrat André Odermatt, der den verhinderten Stadtrat Filippo Leutenegger vertrat, angeschaut. Unbestritten ist hingegen ein Hallenbadneubau.

Warum Odermatt anstatt Leutenegger auftrat

Angekündigt war für den Infoabend Sportminister Filippo Leutenegger (FDP). Warum war schlussendlich nicht er, sondern André Odermatt (SP, Vorsteher Hochbaudepartement) anwesend? Auf Anfrage dieser Zeitung heisst es von Leuteneggers Medienstelle: «Bei der Sportstrategie und deren Umsetzung handelt es sich um eine Querschnittaufgabe von Hochbau- und Schul- und Sportdepartement. Öffentliche Auftritte werden daher meistens aufgeteilt oder zusammen wahrgenommen. In diesem Fall wird der Vorsteher des Hochbaudepartements an der Dialogveranstaltung und Stadtrat Filippo Leutenegger an der Verleihung des Zürcher Journalistenpreises teilnehmen.» 

Pia Meier