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Stadt Zürich
03.11.2022
03.11.2022 17:18 Uhr

Wie die Goldküste den Spurabbau bodigen will

Bild: zvg./ Kantonaler Gewerbeverband
Sie ist die wichtigste Einfalls­achse am rechten Seeufer, die Bellerivestrasse im Seefeld. Ab August 2023 will die Stadt dort in einem Versuch die Zahl der Spuren halbieren. Ein Komitee aus rechtsufrigen Bürgerlichen sammelt nun Unterschriften dagegen.

Acht Monate lang, also bis April 2024, soll der Verkehr beim Nadelöhr im Seefeld in beiden Richtungen nur noch je ein- statt zweispurig fliessen. Ausgenommen sind die Bereiche am Bellevue und im Tiefenbrunnen, wo es bei zwei Fahrspuren bleiben soll. Grund: Der Stadtrat will wissen, wie sich der Spurabbau auf den Verkehr auswirkt. Doch das angekündigte Testregime sorgt für Unmut im Bezirk Meilen. Man befürchtet lange Rückstaus und Schleichverkehr durch Quartiere in Zollikon und Küsnacht. Ein überparteiliches Komitee möchte nun mit der Petition «Nein zu unsinnigen Verkehrsversuchen und künstlichen Staus auf der Bellerivestrasse» die Realisierung des Abbaus verhindern. Bis Anfang Januar wollen die Initianten, zu welchen bürgerliche Kreise von Mitte bis SVP sowie diverse Verbände wie der Gewerbeverband Bezirk Meilen zählen, 10 000 Unterschriften sammeln und dem Stadtrat von Zürich einreichen.
Vorne dabei ist Kantonsrätin Nina Fehr Düsel aus Küsnacht, die inzwischen als Co-Präsidentin des Komitees fungiert. Zusammen mit ihrem Parteikollegen im Kantonsrat, Domenik Ledergerber, hat sie kürzlich eine Anfrage an den Zürcher Regierungsrat eingereicht. «Die zuständigen Stellen beteuern, man mache diesen Versuch ‹ergebnisoffen›», schreiben sie in ihrer Anfrage, doch wer die Politik, insbesondere die (Verkehrsbehinderungs-)Politik, des rot-grün dominierten Stadtrates verfolge, wisse, «dass die Spurreduktion über kurz oder lang definitiv werden wird.» In ihrer Anfrage ersuchen sie den Regierungsrat deshalb, vom Versuch ganz abzulassen. «Der Bezirk Meilen ist bereits heute ohne Autobahnanschluss und schlechter erschlossen als andere Bezirke», so ihr Argument. Die Zufahrt in die Stadt Zürich werde für die Seegemeinden praktisch verunmöglicht, und dies, «obwohl die Seegemeinden die höchsten finanziellen Beiträge in den Zentrumslastenausgleich bezahlen.»

Bewilligung fehlt noch
Tatsache ist: Noch hat die Stadt kein grünes Licht für den Versuch bekommen, die Bewilligung der Kantonspolizei fehlt noch. Kantonsrätin Nina Fehr Düsel: «Das Ziel ist, dieses unsinnige Vorhaben auch mittels Kantonspolizei zu verhindern.» Sie sei mit Regierungsrat und Sicherheitsvorsteher Mario Fehr (parteilos) im Gespräch. «Die Anfrage wurde allerdings noch nicht beantwortet», sagt sie weiter, «die Antwort wird voraussichtlich in zwei Monaten kommen.»
Fehr Düsels Meinung nach gäbe es andere Möglichkeiten, die Strasse zu sanieren, ohne Verkehrsversuch und ohne Spurabbau. «Man könnte die Trottoirs verschmälern, die Fussgänger laufen sowieso am See oder im Seefeld entlang. Das Gleiche gilt für die Velos.» Die Strasse sei schliesslich eine Hauptverkehrsachse für die Autos und soll ihrer Meinung nach auch eine bleiben. Der geplante Spurabbau würde auch den Anwohnern im Seefeld Schleichverkehr bescheren und dem Gewerbe, welches oft auf das Auto angewiesen sei, schaden. «Der Stau von diesem Versuch wird bis Zollikon reichen, ausserdem ist Küsnacht als anliegende Gemeinde speziell betroffen. Es fährt sogar eine Busspur auf der Bellerivestrasse.»

Manuela Moser